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1. |
Auszug aus Thomas Manns Werk »Betrachtungen
eines Unpolitischen« (XII, 72 1918): |
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Das kleine, hochgelegene Vorstadtzimmer schwebt mir vor Augen,
worin ich, es sind sechzehn Jahre, tagelang hingestreckt auf
ein sonderbar geformtes Langfauteuil oder Kanapee, "Die
Welt als Wille und Vorstellung" las. Einsam-unregelmäßige,
welt- und todsüchtige Jugend - wie sie den Zaubertrank dieser
Metaphysik schlürfte, deren tiefstes Wesen Erotik ist und
in der ich die geistige Quelle der Tristan-Musik erkannte! So
liest man nur einmal. |
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Vokabeln |
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- Thomas Mann um 1900
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2. |
Auszug aus »Thomas Mann
Ein Leben in Bildern« von Wysling und Schmidlin
Artemis 1994: |
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Schopenhauers Philosophie war für Thomas Mann, als er seinen
Thomas Buddenbrook dem Tod entgegenführte, ein "metaphysischer
Zaubertrank". Die Lektüre im hochgelegenen Münchner
Vorstadtzimmer hatte die Heftigkeit eines pubertären Schubs,
sie war ein Erlebnis, nicht ein Studium. Sie brachte ihm die
Erfahrung der Ausweitung ins Verheißungsvolle und Ungeheuerliche,
in Liebe, Rausch und Tod. Diese drei bedeuteten nichts als das
Zurücksinken in die Allgemeinheit des Willens, die Auflösung
der Individuation, die Erlösung aus der Vereinzelung. |
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Vokabeln |
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3. |
Auszug aus Arthur Schopenhauers Werk
»Die Welt als Wille und Vorstellung, Über den Tod«
(S. 650-1819) |
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Das Sterben ist der Augenblick jener Befreiung von der Einseitigkeit
einer Individualität, welche nicht den innersten Kern unsres
Wesens ausmacht, vielmehr als eine Art Verirrung desselben zu
denken ist: die wahre ursprüngliche Freiheit tritt wieder
ein [...] |
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Vokabeln |
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- Arthur Schopenhauer (17488-1860)
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4. |
Aufgaben |
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a. |
Für Thomas Mann ist die Philosophie Schopenhauers »ein
metaphysischer Zaubertrank«; welche Erklärung dafür
findet Thomas Mann selber, und warum erwähnt er dabei die
Tristan-Musik (Die Oper von Richard Wagner: Tristan und Isolde)? |
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b. |
Vergleiche die Gedanken von Thomas Buddenbrook über den
Tod(Seite 172, Szene 207) mit dem Abschnitt von Schopenhauers
Werk: »Die Welt als Wille und Vorstellung, Über den
Tod« (Seite 650). |
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