FREDERIKSSTADEN

Store Kongensgade 45: Hof-, Feld- und Reiseapotheker und Gründer der Elefantapotek in der Købmagergade 9, Johann Gottfried Becker, war der erste Inhaber dieser Firma.Vier Generationen in derselben Familie. Kopenhagens drittälteste Apotheke, abgebrannt 1728, 1736 von L. de Thurah wiedererbaut, 1850 Umzug in die St. Kongensgade 25 und 1970 in das jetzige Haus. Beckers Prunkepitaph in den Sankt Petri-Grabkapellen.

Store Kongensgade 108: Christians Plejehus, Militärlazarett mit eigener Schule, von 1765 bis 1775, erbaut von Ch. G. Pflueg. 1775 in die Kaserne in der Sølvgade verlegt und dann nach Eckernförde. Platz für 160 Invaliden, 40 Witwen, 60 Jungen, in Korporalschaften eingeteilt, und 40 Mädchen. Geeignete Jungen wurden ab 16 Jahren Soldaten, die anderen Handwerker der Artillerie oder Offiziersburschen. In 7 Jahren wurden 1300 Personen betreut. Die meisten waren Deutsche oder Nachkommen von Deutschen. Die Insassen trugen eine eigene Uniform in blaugrauer Farbe mit rotem Kragenaufschlag. Im Gebäude wurde danach das Kgl. Opfostringshus (Königl. Knabenerziehungsanstalt) untergebracht.

Kronprinsessegade 35. 2. Stock: Komponist C.E.F. Weyse, mit Gedenktafel. Damals eine sehr vornehme Wohnung.

Nyhavn 15: Inschrift "Wer Gott verdraut hat wohl gebaut".

Nyhavn 23: Sterbehaus des Komponisten Friedrich Kuhlau (1831 - 1832), hier wohnte der Tbc-Kranke mit seiner aus Deutschland herbeigerufenen Schwester Amalie. Er starb am 12. März. Mit Gedenktafel an der Außenwand. Das Restaurant ist nach seinem beliebtesten, aber in Lyngby komponierten Singspiel benannt. In Nyhavn schrieb er nur das Streichquartett in A-Moll. Eine Büste H.W. Bissens (1863)

Nyhavn 31, Zwischenhaus, Keller: 1848 Druckereimaschinenwerkstatt von Johann Gottfried August Eickhoff (1809 - 1875), Gründer der Eickhoffschen Maschinenfabrik, Vesterbrogade 97 (ab 1856), bis 1916 in Familienbesitz.

Kvæsthusgade 3: Großkaufmann Johann Ludwig Zinn und Ehefrau J.Ch. Sophie Preisler, Tochter von Kupferstecher J.M. Preisler; beider Tochter Sophie Zinn verheiratet mit dem preußischen Konsul Henry Thalbitzer. Sie beschrieb auf Dänisch das Familienleben der Zinns. Großes Interesse an Musik im Zinnschen Hause.

Sankt Annæ Plads 4: Garnisonkirke (1704 - 1706), eigentlich Den Herre Zebaoths Kirke, aus Baumaterial des abgebrannten Schlosses Charlotte Amalienborg. Deutsche und dänische Militärgottesdienste im 18. Jahrhundert. Die Regimenter hatten ihre eigenen Stuhlreihen, die Offiziere abschließbare Stühle. Hauptbegräbnisstätte der ursprünglich deutschen Familie Benzon. Ab 1819 nur noch dänischsprachige Gottesdienste.

Sankt Annæ Plads 13: Ab 1751 Stadthaus des Öresundzollkammerdirektors Wilhelm August von der Osten, der hier 10 Jahre wohnte. Später Prinz Wilhelm von Hessen-Kassel, Vater von Königin Louise, Gattin Chr. IX. Bis zur Unkenntlichkeit durch Gustav Hetsch u.a. veränderter Bau von N. Eigtved.

Bredgade 37: Hotel Stadt Hamburg 1837 - 1847, dann Hotel Phønix, für wohlhabende Reisende, aber nach Gründung des Hauptbahnhofs zu weit weg gelegen und dem Verfall ausgesetzt. Deutscher Marinestab 1940 - 45 als Hotel für Offiziere und deren Gäste, zwei Wachtposten vor dem Eingang, 1945 von der kommunistischen Zeitung Land og Folk erstanden

Bredgade 38: C.A.Berckentins Palæ, Rokokoschloss, erbaut von dem deutschen Architekten Gottfried Rosenberg (1709 - 1776) von 1750 bis 1755 für den Gottorper Lehnsgrafen C.A.B. (1694 - 1758). Er kam 1720 als Kammerjunker von Königin Louise nach Kopenhagen. Seine Tochter Louise, verheiratete von Plessen, wurde Hofdame bei Caroline Mathilde. 1762 - 1872 Eigentum der Familie Schimmelmann als Schimmelmanns Fideikommis. Salon von Ernst Schimmelmann und seinen beiden Gattinnen; 1884 an A/S Concertpalaiset verkauft, dann im Besitz des Odd Fellow-Ordens. Die Eckpavillons stammen nicht aus der Zeit Schimmelmanns.

Bredgade 41-45 / Dronningens Tværgade 2: Moltkes Palæ, 1702 von Ernst Brandenburger erbaut, 1716 umgebaut von A.C. Krieger. 1796 kaufte Staatsrat Constantin Brun es von Königinwitwe Juliane Marie als Wintersitz. Salon der Friederike Brun und ihrer Tochter Ida, die hier Musikunterricht von Weyse bekam. Witwer Brun starb in diesem Haus 1836. Gewöhnlicher Name des Hauses heute ist Håndværkerforeningen. Die Familie Moltke hatte hier ab 1840 die berühmte Sammlung von Adam Gottlob Moltke aus dem Amalienborgpalais hängen.

Bredgade 42: Rokokopalais Baltica-Huset, wie Nr. 38 von Rosenberg erbaut 1752 - 1756 als Zwillingsbau mit Dehns Palæ nach Dresdener und Warschauer Vorbildern. Die Marmortreppe war erst 1768 fertig. Minister J.H.E. Bernstoffs Stadtpalais. Nach Moltkes Palæ das am luxuriösesten eingerichtete Haus Dänemarks. Bernstorff ließ sich laufend von seinen Pariser Verbindungen für die Ausstattung inspirieren. B's Sekretär Joachim Wasserschlebe hatte hier seine Wohnung. Der Garten stieß an Hofmarschall Moltkes Garten. Nach A.P. Bernstorffs Tod im Besitz der Baumeister Hallander und Rawert und aufgeteilt in drei Teile.

Bredgade 54: Dehns Palæ, 1756 für den Diplomaten und Minister Friedrich Ludwig v. Dehn errichtet, der in Wolfenbüttel aufgewachsen war und Prinzessin Juliane Marie für Frederik V. fand. Später Statthalter der Herzogtümer, wurde geadelt und war dann wohnhaft auf seinem Schloss Ludwigsburg. Sein Kopenhagener Palais verkaufte er schon 1762 an den Minister Christian Ditlev Reventlow, der hier wohnte und später sein Sohn, der Premierminister. 1794 nach dem Brand von Christiansborg ging es an den Gönner Schillers, Herzog Friedrich Christian von Augustenburg, der mit Struensees Tochter Louise Augusta verheiratet war und 1791 zusammen mit Jens Baggesen und Ernst Schimmelmann dem verarmten Friedrich Schiller eine Pension von jährlich 1000 Reichstalern verschaffte. Sein Sohn war der umstrittene deutschgesinnte Herzog Christian August von Augustenburg-Nör. Von 1844 bis 1864(!) wohnte hier in einem Teil des Hauses Prinz Friedrich von Hessen-Kassel, Schwager des Kronprinzen Christian (IX.).

Bredgade 59: Østre Landsret (Landgericht für Ostdänemark), Landkadetakademiet, ursprünglich Opernhaus, errichtet 1701 - 1702 von Architekt Johann Conrad Ernst und Bauunternehmer Ernst Brandenburger. 1717 Landkadetakademiet, 40 Jahre lang auch mit der Søkadetakademi (Akademie der Marinekadetten) zusammen. 1768 - 1788 im Brockdorffs Palæ (Amalienborg), da dies seit dem Tode von Joachim von Brockdorff und seiner Frau Gräfin Holstein im Jahre 1763 leer stand, von 1788 bis 1861 wieder in der Bredgade, ab 1869 Kaserne, 1881 Reichstag, 1918 Marinelazarett, 1919 Sø- og Handelsret und Østre Landsret. Verschiedene Um- und Anbauten. Der älteste Teil liegt mit der Front zur Fredericiagade.

Bredgade 62: Chirurgisk Akademi, erbaut von Hofarchitekt Peter Meyn 1785 - 1787. Nachfolgerin des Theatrum anatomico-chirurgicum, gegründet von Simon Crüger 1736 in der Købmagergade. Patronin Königinwitwe Juliane Marie. Unterricht zusammen mit Frederikshospital nebenan, dessen Oberchirurg hier Professor wurde. 1841 Teil der Universität und bis 1942 hier Vorlesungen. Mit Hof und eigenem Garten und Pavillon. Professorenwohnungen im Erdgeschoss, Auditorium (50 Hörer) mit Halbkuppel und Oberlicht, zweigeschossig, Bibliothek, Dissektionsräume und Sitzungssaal im 1. Stock. Tympanon, Reliefs und Büsten von Andreas Weidenhaupt.

Bredgade 64: die 1765 gegründete katholische Kapelle, ursprünglich die des österreichischen Gesandten, der 1764 de Thurahs Haus in der Amaliegade mietete und am Ende des Gartens 1765 durch Josef Zuber die Kapelle für sein Personal baute. Schon 1772 hatte die Gemeinde nicht nur Mitglieder aus dem Gesandschaftsstab. 1774 kaufte Österreich das Grundstück Bredgade 64. 1840 - 1842 erbaute Architekt Hetsch eine neue Kapelle, aber ohne Turm und Glocken für die k.u.k Gesandtschaft. Von Schinkel beeinflusster italienischer Mittelalterstil. Wandmalereien von Josef Settegast. Gehörte bis 1892 zur Diözese Osnabrück. Schule für Mädchen und Jungen. Seit 1849 dänische Kirche. 1867 bekamen die Mädchen eine eigene Schule in Nr. 67 und die Jungen 1888 in Nr. 69. Sprache ab 1852 auch Dänisch. 1892 Bischofskirche. Wohnung des Bischofs. Der Rest des österreichischen Gartens liegt hinter der Kirche. Ein Turm kam erst 1943.

Bredgade 68, Südpavillon: Det kgl. Frederikshospitals Apotek, 1756 gegründet von Joachim Dietrich Cappel und Frantz Hendrich Müller, hier bis 1910, auf der gegenüber liegenden Seite bis 1965, heute Teile des Inventars im Kirurgisk-Medicinsk Museum nebenan in Nr. 60. Öffentliches, prächtig dekoriertes Offizin mit Freitreppe zur Bredgade.

Amaliegade 9: Von 1773 bis 1838 Wohnsitz der Familie Callisen (siehe Kapitel Ärzte und Chirurgen im Handbuch).

Amaliegade 14, 1. Stock: Eidgenössische Botschaft

Amaliegade 17: J.P. Pfeiffers Gård, einziges unverändertes Bürgerhaus von Eigtved. Familie Moltkes Wohnsitz.

Amalienborg: Nach Königin Charlotte Amalie benannt, deren älteres in der Nähe 1689 abbrannte. Christian VIIs Palæ hieß ursprünglich (Adam Gottlob) Moltkes Palæ, Winterpalais des Hofmarschalls und Freundes Frederik V. Entwurf und Bau von N. Eigtved 1754, fertiggestellt von Jardin. Franzosen, Italiener und Schweden lieferten die Innenausstattung. Schönstes und kostbarstes Rokokoschloss in Dänemark. A.G. Moltke (1710 - 1792) brachte hier sein Naturalienkabinett und seine große Gemäldesammlung unter. Er wohnte in diesem Palais bis zu seinem Tode. Seine Familie verkaufte das Schloss nach dem Brand von Christiansborg an Christian VII., der bis 1808 in drei kleinen Gemächern im Erdgeschoss permanent bewacht wurde von zwei Kammerherren. - 1802 wurde hier im Speisesaal zum ersten Mal mit dem berühmten Flora Danica Service gedeckt.- Das Schloss wurde in den letzten Jahren sorgfältig restauriert und hat sowohl Parkett als auch Originalstuck und Decken- und Wandvergoldungen sowie Bilder nach Kartons von François Boucher behalten. Originale Stühle aus dem abgebrannten Christiansborg sind ebenfalls erhalten. Heute ist Christian VIIs Palæ Gästehaus der königlichen Familie.
Frederik VIIIs Palæ hieß anfänglich Brockdorffs Palæ nach dem Besitzer, dem holsteinischen Baron Joachim von Brockdorff (1695 - 1763). Nach seinem Tode stellte Frederik V. das Schloss drei hessischen Landgrafen zur Verfügung, einer von ihnen Prinz Carl, der andere Prinz Wilhelm, die Dänemark verließen, als Christian VII die ersten Zeichen seiner Krankheit verriet. Carl Christian Pflueg richtete dann das Palais ein für die Kadettenakademie, obwohl es dafür denkbar ungeeignet war. Die deutschsprechenden Landkadetten blieben hier bis 1788, die dänischsprechenden Seekadetten bis 1827. Stadtkommandant Prinz Wilhelm von Hessen zog 1839 ein und wohnte bis zu seinem Tode im Jahre 1867 in Brockdorffs Palæ.

Reiterstandbild Frederiks V., des Musenkönigs, der mit Hilfe von Moltke viele Deutsche in sein Land holte, u.a. Klopstock und Oeder. Bildhauer Saly (Einweihung 1.8.1771) wurde von Joachim Wasserschlebe nach Kopenhagen verpflichtet.

Toldbodgade 38: Det blå Pakhus (erbaut vonHarsdorff), 1796 von Constantin Brun als Kornmagazin erworben und mit einer Korntrockenanlage versehen. Bis zu Bruns Tod 1836 in dessen Besitz.

Esplanaden 50 / Ecke Amaliegade: Parkplatz von Mærsk Olie og Gas bis einschließlich Haus Nr. 37 war der Botanische Garten, angelegt von Prof. Georg Christian Oeder (1728 - 1791), als 23-Jähriger nach Kopenhagen geholter Botaniker und Wirtschaftswissenschaftler, bekam hier eine Professur und 1752 den neuen Botanischen Garten, der den Garten in der Skidenstræde (Krystalgade) ablöste. Hier sollten Nutz- und Heilpflanzen angebaut werden, u.a. für die Apotheke des Frederikshospitals. Herausgeber des Mammutwerkes Flora Danica. Die Universität sträubte sich gegen den Deutschen Oeder und 1770 verlor er seine Stellung und ging enttäuscht nach Oldenburg. Acht Jahre später wurde der Garten hinter das Schloss Charlottenborg verlegt und 1782 schon wurde das erste Haus auf dem Grundstück gebaut. Man meint, dass die originalen Torsäulen des Gartens heute vor dem Vestindisk Pakhus in der Toldbodgade stehen.

Churchillparken 7: Frihedsmuseet. Museum des Nationalen Widerstands während der deutschen Besetzung. Geöffnet von 11.00 bis 16.00. ( 33 13 77 14 und 33 13 44 11). Eine deutschsprachige Broschüre über die Judendeportation ist erhältlich.

Kastellet: Das Kastellet hieß bis 1949 offiziell Citadellet Frederikshavn und wurde 1663 von einem niederländischen Festungsbaumeister entworfen. Die kleine Kirche stammt aus dem Jahre 1704, das Arresthaus und das Kommandantenhaus aus dem Jahre 1725. Zur Kirche gehörte eine Schule, wo die Bibel in beiden Sprachen gelesen und kommentiert wurde. Bis 1739 wurden hier nur Gottesdienste auf Deutsch abgehalten. An die Rückwand der Kirche angebaut war der Arrest, wo sich zeitweilig bis zu 13 Zellen befanden. Der prominenteste Gefangene war Johann Friedrich Graf Struensee, der 1772 erst beim Kommandanten und dann in Zelle Nr. 3 gefangen saß. Der Fall Struensees erregte damals ungeheures Aufsehen in ganz Europa. Im Zweiten Weltkrieg deutsche Garnison mit ca. 400 Personen. Mehr Informationen: siehe Kapitel Militär im Grundbuch.

Øster Voldgade 4A: Rosenborg Slot. Die Chronologische Sammlung der dänischen Könige. Viele Dekorationen und Gegenstände stammen von deutschen Barockkünstlern, doch stammen auch mehrere Künstler aus den Niederlanden. Beachtet u.a. die Namen Wolfgang Heimbach, Gottfried Jöch, Ferdinand Küblich, Christian Nerger, Andreas Normann, Dietrich Schäffer, Leonhard Schwabe, Lorenz Spengler und Johann Salomon Wahl. Das Museum besitzt einen (vergriffenen, dänischen) Katalog von 1992 mit einer Übersicht über alle ausländischen Künstler, die in und an Rosenborg tätig waren. Von 67 namentlich genannten Künstlern waren 41 deutschen und schweizerischen Ursprungs.
Beim Eintrittskartenverkauf sind Kataloge (dän./eng.) auszuleihen gegen ein Depositum. An diesen Katalogen lassen sich die Nummern an den ausgestellten Kunstwerken verifizieren. Schulklassen haben gratis Zutritt (am besten nach Voranmeldung unter Telefon 33 15 32 86). Blitzlicht erlaubt. Bei trübem Wetter Taschenlampen an der Kasse leihen!

Øster Voldgade 15: Nyboder Skole. Hauptquartier der Wehrmacht von 1942 bis 1943, danach in Silkeborg Bad. Mit Gedenkplatte im Hof, Wachhäuschen und Bunkern.