CHRISTIANSHAVN

Strandgade 2: Christianskirke, ursprünglich Tydske Friderichs-Kirke paa Christianshavn. 12.6.1755 Grundsteinlegung durch König Frederik V. 2.12. 1759 Einweihung. Wegen Unstimmigkeiten bei Benutzung der Frelserkirke wollten die deutschen Christianshavner ihre eigene Kirche haben. Pfarrer Josias Lorck bekam vom König den alten Salzwerkhof zugewiesen und die Gemeinde kaufte ein Grundstück der Asiatisk Kompagni dazu. Ein Packhaus des Salzwerks stand immer hinter der Kirche. Die Krypta konnte nur von außen betreten werden, damit die Gemeinde während des Gottesdienstes von Leichengeruch verschont blieb. Eigtveds Schwiegersohn der Straßburger und Hofbaumeister Georg David Anthon baute die Kirche nach einem Modell von Eigtved. Die drei Glocken wurden von dem deutschen Glockengießer Carl Troschell in der Vester Voldgade gegossen. Die beiden Torgebäude aus den 1770er Jahren waren das Spritzenhaus und das Totengräberhaus. Als erster Pfarrer der Kirche baute Lorck das Schul- und Armenwesen auf und erwies sich als hervorragender Vertreter der Christianshavner Gemeinde. Die noch heute verwendete silberne Taufkanne ist ein Geschenk von ihm und seiner Frau. Lorcks Neffe Matthias Claudius hat 1764 - 65 die Kirche besucht. Der kgl. Patron A.P. Bernstorff wurde nach seinem Tod 1797 hier aufgebahrt, ehe er nach Mecklenburg überführt wurde. 1820 wurde die Kirche Garnisonskirche der deutschen Soldaten und Offiziere in Kopenhagen. 1831 wollte die Regierung die Kirche schließen und die Gemeinde mit der St. Petri-Gemeinde zusammenlegen, aber Frederik VI. sprach sein Veto aus. 1863 verließen die am holsteinischen Ministerium Beschäftigten Kopenhagen und damit ihre Kirche.1886 waren nur noch 46 Mitglieder übrig und die Kirche wurde geschlossen, bis sie 1901 als dänische Gemeindekirche wieder eröffnet wurde mit dem neuen Namen Christianskirke. Der Friedhof wurde bis 1857 benutzt, die Krypta noch heute. Danach hatte die Gemeinde noch den eigenen Armen- und Hilfsfriedhof auf Amager und eine Sektion auf dem Assistens Kirkegård. Auf dem Friedhof (verschwundener?) Grabstein von 1831 für Pastor N.H. Massmann (1766 - 1816), 1789 Hauslehrer von A.P. Bernstorff. Massmann bekam hier 1792 die Pfarrstelle und als er in Christianshavn deutsche Handwerker traf, stiftete er für diese 1800 Selskabet for de kjøbenhavnske Søndagsskoler, wo sie rechnen und schreiben lernen konnten. Bis 1900 waren diese Schulen viel besucht. Nachfolgerin war Det tekniske Selskabs Skole am Ørstedsparken.

Wildersgade 7: Pastor Nicolaus Hinrich Massmann wohnte von 1794 - 1816 in einem von B&W abgerissenen schönen Rokokohaus von 1764, dem drei Wohnungen enthaltenden Pfarrhof der Deutschen Friedrichskirche in der damaligen Kongensgade, direkt neben dem Friedhof der Kirche. Der Garten daneben gehörte zu Lehns Hof, ab 1762 Eigentum von Peter Fenger. Der Pfarrhof verschwand in Verbindung mit der Erweiterung von B&W. Massmanns Sarg lag ursprünglich in der Krypta, wurde aber 1831 umgebettet auf den Friedhof. Wo sein Grab hier liegt, weiß man nicht mehr. Der Gedenkstein ist verschwunden. Zur Kirche gehörte auch eine Frei- und Armenschule, die als Kirchenschule um 1760 mit 100 Schülern eine der größten in Kopenhagen war. In dieser Schule wurden die Chorsänger für den Gottesdienst rekrutiert. Bis 1769 waren Freischule und Armenschule vereinigt, danach wurden Armenfürsorge und Unterricht getrennt. 1790 bekam die Schule zwei kleine benachbarte Häuser in der damaligen Kongensgade, größtenteils vom König bezahlt. Das eine Haus hatte vier Schulräume, im anderen wohnten zwei Lehrer und zwei Lehrerinnen. Ende des 18. Jahrhunderts konnte nur noch die Hälfte der 70-80 Schüler Deutsch, wenn sie mit 6-7 Jahren in die Schule aufgenommen wurden. 1859 wurden die Schulhäuser an B&W verkauft und sofort abgerissen. Die Schule war von 1866 bis zu ihrer Schließung 1873 in der Overgaden oven Vandet Nr. 28.

Overgaden neden Vandet 9, Ecke der verschwundenen Lille Sofiegade bis Strandgade 4: mit Texttafel im Torbogen. Einst Biergarten und Tanzhaus Kjærulffs Have. Auf H. Chr. Ørsteds Empfehlung gründeten Hans Heinrich Baumgarten und Carl Christian Burmeister 1846 eine Maschinenfabrik Man fing mit Druckpressen an, dann kamen Dampfheizungen und Dampfmaschinen dazu. Schon ein paar Jahre später gründeten die beiden Unternehmer auch eine Werft auf Applebys Plads bei der Langebrogade. Heute liegt hier Danisco. Mit 30 Arbeitern fing die Fabrik an. Unter den ersten 500 Arbeitern waren sehr viele deutsche Gastarbeiter.1897 alliierte sich Rudolf Diesel mit B&W und die besonders die kleinen B&W Diesel-Motoren unter 20 PS waren das Resultat der Zusammenarbeit. 1904 verließ der erste Motor des neuen Typs die Fabrik.

Strandgade 6: Abraham Lehns Hof. Christian Ditlev Reventlow, sein Bruder Ludwig und seine Schwester Louise, verheiratete Gräfin Stolberg, wurden in diesem Haus geboren. 1762 Eigentümer Seifensieder Peter Fenger, begraben in der Familiengruft in der Christians Kirke, Stammvater aller Fenger. Die Familie Lehn geht auf deutsche Weinhändler zurück

Strandgade 26: Zuckersieder Gysbert Behagens Hof

Strandgade 44: Joachim Irgens Gård, 1662. Irgens (1611 - 1675) war Kammerdiener bei Christian IV., dann Konzessionär der norwegischen Kupferminen und Großgrundbesitzer.

Torvegade 45: Christianshavns Apotek, Einhornapotheke, gegründet 1707 von B. F. Küblich, ursprünglich in einem anderen längst verschwundenem Haus an derselben Straßenseite. Bis 1815 von deutschen Einwanderern geführt.

Prinsessegade 7: deutsche Inschrift: Math.18.v.5/Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen/der nimmt mich auf,/In dieser Absicht/ward dieses Haus/einer Anstalt/zur Unterhaltung und Erziehung /armer Mädgens/von den Stifterinnen derselben gewidmet/in dem Jubeljahr/1760. Asyl von 1760 - 1785 für arme Mädchen, dann Kofoeds Skole. Gegr. von Josias Lorck. Patronin Louise v. Plessen geb. Berckentin, Hofdame bei Sophie Magdalene und Caroline Mathilde. Johanne Amalie Seitzberg kolorierte hier mit den Mädchen Oeders Werk Flora Danica. Große Sterblichkeit: allein 1769 starben 7 Kinder, 5 davon an Pocken.

Sankt Annæ Gade 29: Vor Frelsers Kirke. Die Orgelfassade stammt vom sächsischen Stuckateur und Holzschnitzer Christian Nerger (1697 - 98). Vorbild war Berninis Barockkirche S.Tomaso in Castel Gandolfo.

Christiania: Bananhuset. Seit 1985 von fast 200 deutschen Wandergesellen des Vereins Axt & Kelle aus recykeltem Material errichtet. Kombination von deutscher Handwerkertradition und Christianias Bescheidenheit und Kreativität. 1999 Diplom des Vereins Hovedstadens Forskønnelse.