Regie-Star Tom Tykwer:


Vom Kartenabreißer zum "Oscar"-Kandidaten

Tom Tykwer

Mit 14 Jahren fing Tom Tykwer als Kartenabreißer in einem Wuppertaler Programmkino an. Inzwischen ist der 33jährige Wahl- Berliner mit seinem rasanten Streifen "Lola rennt" Deutschlands Hoffnungsträger im Rennen um den "Oscar". Nun wurde der Erfolgsregisseur für seine Verdienste ums deutsche Kino mit dem Filmpreis der Stadt Hof ausgezeichnet.
"In der Schulzeit hatte ich einen Job als Filmvorführer - zehn Jahre lang habe ich praktisch nichts anderes getan, als Filme anzugucken", erzählt Tykwer in einem dpa-Gespräch. "Aber irgendwann habe ich gemerkt, das genügt nicht. Man muß herausfinden, welche Geschichten man selbst erzählen will." Geprägt haben ihn Filmemacher wie Federico Fellini und John Cassavetes, aber auch Steven Spielberg und Alfred Hitchcock.

"Kurz vor dem Ruin kam der erste ordentliche Auftrag."
An den Filmhochschulen hatte der gerade 20jährige keine Chance: "Ich bekam eine Absage nach der anderen." So brachte er sich das Handwerk im selfmade-Verfahren bei - als Programmgestalter, Drehbuchlektor und Porträt-Regisseur. "Ich habe mich bis über beide Ohren verschuldet. Kurz vor dem Ruin kam der erste ordentliche Auftrag."
1994 gründete Tykwer mit Wolfgang Becker, Dani Levy und Stefan Arndt die Berliner Produktionsfirma X Filme Creative Pool - inzwischen ein Markenname für innovatives Qualitätskino. "Wir wollten sowas wie United Artists aufziehen", erinnert er sich. "Es macht mehr Spaß, wenn man nicht allein kämpfen muß."

Erste "Lola" brachte Erfolg


Nach seinem Kino-Erstling "Die tödliche Maria" heimste der Nachwuchsfilmer 1997 mit "Winterschläfer" teils euphorische Kritiken und ein Filmband in Silber ein - an der Kasse war das düstere Liebesdrama ein Flop. Mit "Lola rennt" landete er dieses Jahr den Knüller der Saison.

Trio am Lido: Tom Tykwer mit seinem Star (und mehr) Franca Potente und Moritz Bleibtreu

Der fetzige Streifen mit Jungstar Franka Potente und Frauenschwarm Moritz Bleibtreu fuhr schon am ersten Wochenende die Produktionkosten ein und ist inzwischen - eine kleine Sensation - in 40 Länder verkauft. Am 9. Februar entscheidet sich in den USA, ob "Lola" mit vier anderen ausländischen Produktionen offiziell für den "Oscar" nominiert wird.

"Wir haben ein ganz breites Spektrum von Talenten"
Steigt ihm der schnelle Erfolg nicht zu Kopf? "Ich freue mich einfach drüber", sagt der schlaksige Einsneunzig-Mann und lächelt fast ein bißchen verlegen. Für den deutschen Film wünscht sich Tykwer mehr Mut zum Risiko: "Wir haben ein ganz breites Spektrum von Talenten. Aber wir müssen uns auch Zeit lassen, Dinge auszuprobieren und Neues zu entdecken."

Zukunft mit Potente
Über seine eigenen Zukunftsprojekte mag Tykwer noch nicht viel sagen. "Eine seltsame Liebesgeschichte in Wuppertal", verrät er nur. In der alten Heimat hat der Sohn eines Textilkaufmanns trotz des Umzugs nach Berlin vor 13 Jahren immer sein zweites Standbein behalten. Als Hauptdarstellerin ist Franka Potente fest gebucht: Bei den Dreharbeiten zu "Lola rennt" hat es zwischen den beiden auch privat kräftig gefunkt.

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